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Der Prignitzer vom 11.10.2022

Vor zehn Jahren eröffneten die „Elefantenzüchter“ ihr Museum

Historischer Lokschuppen

von Ronald Ufer

Was haben „Elefantenzüchter“ mit Wittenberge zu tun? Der Historische Lokschuppen Wittenberge feiert sein zehnjähriges Bestehen.

Wittenberge Seit zehn Jahren lassen sie am Historischen Lokschuppen Dampfwolken aufsteigen und Lokomotiven pfeifen, die Dampflokfreunde Salzwedel. Wie es der Name besagt, waren sie seit 1994 in der Stadt in Sachsen-Anhalt ansässig. Doch nach 15 Jahren sollte dort ein neuer Nutzungsvertrag mit der Immobilientochter der Bahn geschlossen werden. Doch einige Klauseln, besonders die Einzäunungspflicht, drohten den Verein in eine gefährliche Schieflage zu bringen. Schließlich fielen auch noch Pacht, Betriebs- und Nebenkosten an. Die Stadt Salzwedel wollte nicht helfen, bezeichnete den Verein abfällig als Elefantenzüchter.

Die Dampflokfreunde suchten deshalb eine neue Bleibe. Die Ansiedlung in Lüneburg scheiterte, da bot Bürgermeister Oliver Hermann eine neue Heimat in Wittenberge an. Die Kommune sei auch eine Eisenbahnerstadt, warb er um die Dampflokfreunde, versprach einen geeigneten Standort und Hilfe beim Ausbau des Lokschuppens. Beim ersten Besuch sei sie skeptisch gewesen, habe gedacht, das wird nie etwas, erzählt die heutige 1. Vorsitzende des Vereins, Doris Müller.

Die Elefantenzüchter gehen

Doch 2011 begannen die Bauarbeiten und im Frühjahr 2012 erfolgte der Umzug nach Wittenberge. „Wir haben drei Züge, viele Lkw-Touren und drei Tiefladereinsätze benötigt, um Fahrzeuge, weitere Technik und die vielen Sammlungsstücke rund um die Eisenbahn herzubekommen“, erinnert sich Müller. „Es war ein Riesenaufwand.“ Einer der Züge trug die Aufschrift „Die Elefantenzüchter gehen“.

Im Herbst 2012 öffnete der Historische Lokschuppen als Museum. Mit den Wittenberger Eisenbahnfreunden, die das alte Stellwerk betrieben, wurde ein gemeinsamer Verein gebildet. Der Erfolg sprach sich bald bis in die alte Heimat herum, 2016 kam aus Salzwedel das Angebot, zurückzukehren. Ein großer Zeitungsartikel aus Salzwedel mit der Überschrift „Es dampft im Exil“, der im kleinen Café des Museums aushängt, illustriert das dortige Umdenken.

Gut in Wittenberge eingelebt

Doch erneut umzuziehen kam für den Verein nicht infrage. Zum einen wegen des Aufwandes, vor allem aber, weil er inzwischen die Unterstützung durch Oliver Hermann, die Stadt, den Tourismusverband und das Land schätzte. Daran habe sich bis heute nichts geändert, betont die Vereinsvorsitzende.

Der Verein, das sind mehr als 70 Mitglieder, die überall in Deutschland leben. Zum „harten Kern“ zählen zehn bis 15 Aktive aus Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern und auch Schleswig-Holstein, die das Instandhaltungsprogramm und die Restaurierungen stemmen, bei den Veranstaltungen dabei sind. Diese Termine werden meist durch 20 bis 25, oft mit Unterstützung ihrer Familien, abgesichert.

Den Bahnbetrieb mit viel Aufwand sichern

Es gebe in einem Eisenbahnmuseum immer viel zu tun, betont Doris Müller. So steht die zweite, etwas kleinere Drehscheibe schon bereit. Doch für den Einbau muss in der Rotunde baulich noch einiges passieren. Doch das anspruchsvolle Projekt ist für die Weiterentwicklung des Lokschuppens als Eisenbahnmuseum sehr wichtig. „Wir könnten dann die kleineren Fahrzeuge in diesem Bereich konzentrieren, würden mehr Platz für die großen Loks gewinnen“, erläutert die Vereinsvorsitzende.

Zudem gilt der Historische Lokschuppen mit seinen Gleisen als Anschlussbahn, unterliegt der Aufsicht des Brandenburger Bahnamtes. Das bedeutet eine ständige Wartung sowie Kontrolle von Gleisen und Signalanlagen. Diverse Lokomotiven und Waggons werden betriebsfähig gehalten, das erfordert auch amtliche Revisionen unter Einhaltung gesetzlicher Fristen.

Zudem werden stetig Fahrzeuge restauriert, Sachzeugen der Eisenbahngeschichte gesammelt, erforscht, konserviert und zum Teil in die Ausstellung übernommen. Zum Museumsbestand zählen sechs Dampfloks, 14 Diesellokomotiven, Kleinloks, drei Beiwagen, viele Waggons und andere Fahrzeuge.

Energiepreise erreichen bedrohliches Ausmaß

Die Entwicklung der Energiekosten treibt Doris Müller Sorgenfalten ins Gesicht. „Eine Tonne Kohle habe ich vor einem Jahr für 286 Euro netto bekommen, aktuell werden 800 Euro je Tonne aufgerufen. Die Diesellokomotiven haben wir noch rechtzeitig aufgetankt.“ Aber die Energiekosten für die Hallen und die Museumsräume lagen im Vorjahr bei 14.000 Euro. Wie viel es künftig sein werden, kann der Verein derzeit nicht abschätzen.

Und die Sparmöglichkeiten sind begrenzt. Für Instandhaltung und Restaurierung wird Licht gebraucht und eine Mindesttemperatur in den Hallen. Auch ein Teil der betriebsfähigen Technik verträgt keinen Dauerfrost. Ebenso benötigt ein Teil der Sammlung stabile klimatische Verhältnisse.


Der Lokschuppen präsentiert historische Bahntechnik in Aktion. Foto: Ronald Ufer

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