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Aktuelles

28.11.2023: Deutschlands größte Sammlung von Eisenbahn-Läutewerken

Sie werden sich bestimmt fragen, was Läutewerke mit der Eisenbahn zu tun haben. Nun, heute werden wir eine Antwort darauf liefern und die hat sehr viel mit dem vor ca. einem Jahr verstorbenen Fachbuchautor und Heimatchronisten Wolfgang List zu tun, der in Stendal sein Zuhause hatte.

Er begann im Jahr 1984, Läutewerke der Eisenbahn zu sammeln. Dabei handelt es sich um Apparaturen zur Zugmeldung von einer Betriebsstelle einer Eisenbahn zur anderen, also sagen wir von einem Bahnhof zum nächsten und allen dazwischen liegenden Betriebsstellen, wie zum Beispiel Schrankenwärtern. Sie alle mussten informiert werden, wenn im angrenzenden Bahnhof ein Zug in ihre Richtung losfuhr. Und das geschah mittels Tonsignalen in Form von Glockenschlägen.
Wie wurden diese Glockenschläge erzeugt? Die Bahnhofsvorsteher – heute würde man sie Fahrdienstleiter nennen - eines jeden Bahnhofes hatten in ihrem Büro eine Induktorkurbel, die elektrischen Strom erzeugte.

Dieser Strom wurde über Kabel entlang der Strecke über alle dazwischenliegenden Betriebsstellen bis zum Büro des nächsten Bahnhofsvorstehers geführt.

In diesen Betriebsstellen und in besagtem Büro befanden sich nun Läutewerke in unterschiedlichen Größen, die von dem Strom ausgelöst wurden. Und zwar bewirkte der Strom, dass in den Läutewerken eine Sperre gelöst und eine Art Uhrwerk aktiviert wurde, das entfernt an das einer Standuhr in der guten Stube unserer Großeltern erinnert.


Mit dem Uhrwerk wurden die auf dem Läutewerk befindlichen Glocken mehrfach geschlagen, z.B. sechsmal hintereinander. Damit immer gewährleistet war, dass die Läutewerke auch funktionierten, musste sie regelmäßig gewartet und ihre Uhrwerke aufgezogen werden. Diese Aufgabe oblag an allen Eisenbahnstrecken Streckenposten/Streckenwärtern.

Die Glockenschläge waren das Zeichen, dass sich ein Zug auf der Strecke befand und man demnächst mit seiner Annäherung rechnen musste. Die Schrankenwärter mussten sich dann bereit machen, um die Schranken herunterzukurbeln und im nächsten Bahnhof musste alles für die Einfahrt des Zuges vorbereitet werden, z.B. die Weichen in das richtige Gleis gestellt werden. Man schätzt, dass es bei den deutschen Eisenbahnen mehrere Zehntausend Läutewerke in unterschiedlichen Ausführungen gab. Diese Art der Zugmeldung gab es ab 1846. Sie endete Ende der 1950er Jahre, als modernere Fernmeldetechnik die Aufgabe übernahm.
Die Läutewerke gab es in unterschiedlichen Ausführungen und Größen. Sollte ein Läutesignal in einem Büro erzeugt werden, reichte eine kleine Ausführung, die an der Wand hing oder auf dem Schreibtisch des Bahnhofsvorstehers stand.


Damit das Läutesignal jedoch über größere Distanz zu hören ist, hatten die Großläutewerke Glocken in verschieden großer Ausführung. Einige waren an Außenwänden oder auf Dächern befestigt.


Oder sie waren auf eigens für die Läutewerke hergestellten Gerätehäusern befestigt, welche die Größe einer Telefonzelle erreichen konnten. Dabei gab es wiederum unterschiedliche Ausführungen aus Holz oder Metall, je nach Hersteller und Bahngesellschaft, die sie einsetzte.




Wolfgang List hatte seine Sammlung über 40 Jahre hinweg aufgebaut und in seinem Garten und Gartengebäude etliche Geräte installiert und betriebsfähig wiederhergestellt. Die Schaltzentrale und Ort der Aufbewahrung kleinerer Objekte befanden sich in einem kleinen, extra dafür gewidmeten Gebäude, das liebevoll Posten 93 genannt wurde.


Leider musste das Anwesen der Familie List nach seinem Tod aufgegeben und verkauft werden, was die Sammlung obsolet machte. Wir kamen mit der Familie im März 2023 in Kontakt und es wurde bald klar, dass die Sammlung erhalten und in Wittenberge ausgestellt werden sollte. Wir danken dafür sehr herzlich und werden damit Wolfgang List ein Denkmal setzen.
Während des Sommers 2023 wurden die Exponate sorgsam demontiert und mit Pkw, Anhänger und einem Lkw nach Wittenberge gebracht.



In Wittenberge wurden inzwischen auf dem Gelände des sogenannten Kohlenhofes die großen Exponate aufgestellt, die für die Verwendung im Freien gedacht sind. Dazu wurden entsprechende Fundamente gegossen und die Apparate darauf montiert.





Die „Kleinteile“ und der Rest der Sammlung von Wolfgang List, zu der auch eine sehr umfangreiche Dokumentation gehört, werden demnächst in unserem neuen Ausstellungsraum im südlichen Giebelgebäude des Lokschuppens Platz finden.





Dazu werden wir in dem Ausstellungsraum die Vitrinen installieren, die uns das Deutsche Technikmuseum in Berlin gestiftet hat. Sie müssen allerdings noch aufgebaut und eingerichtet werden. Wir werden über die Fortschritte berichten.
Wenn Sie Interesse haben, daran mitzuarbeiten, melden Sie sich gerne beim Vorstand (info@dampflok-wittenberge.de). Es ist eine sehr interessante Aufgabe, bei der Fingerspitzengefühl und Intellekt gefragt ist. Denn nicht nur müssen die Exponate aufgestellt werden, sondern auch die Ausstellung derart gestaltet werden, dass die zukünftigen Besucher verstehen, worum es eigentlich geht. Dazu gehört sicher einige Recherchetätigkeit, ein paar pädagogische Fähigkeiten und etwas Phantasie, um entsprechende Schautafeln und Beschriftungen zu gestalten. Hätten Sie Lust, im Team mitzuarbeiten? Es würde uns sehr freuen.
Natürlich ist das Ganze auch mit Kosten verbunden, die wir irgendwie stemmen müssen. Auch hier können Sie helfen. Gerade in der Weihnachtszeit ist es ja üblich, dass gemeinnützige Organisation nach Spenden fragen und wir machen da keine Ausnahme. Sie wissen ja, die Gabe von Spenden ist eines der wenigen Sachen auf Erden, die glücklich machen, aber nicht dick. Sprechen Sie dazu auch gerne unseren Vorstand an. Danke herzlichst schon einmal im Voraus!
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